62 Jahre, dann wieder einen Kontakt.

Sonntag, 07. Juni 2020, 14:32:16


  • Vor ca. 2 Wochen klingelte das Telefon.
    Eine unbekannte Nummer wurde angezeigt. Ich nahm an, eine Frau war dran.
    Sie nannte ihren namen, der mir nichts sagte und sie mich fragte, ob ich welcher
    sei. Ja, der bin ich, antwortete ich. Ich merkte, sie suchte nach den richtigen Worten.

    Dann, sie sagte, sie sei die Tochter meiner 1/2 Schwester Ingeborg und im Rahmen
    ihrer Ahnenforschung, für sich aber auch für ihre Mutter ist sie jetzt bei mir gelandet. :o :o :o

    Ich atmete tief durch. Der Name Ingeborg sagte mir etwas, wie auch, das ich eine 1/2 Schwester
    gleichen Namens hätte. Ebenfalls einen 1/2 Bruder, namens Jochen. 2 Kinder aus erster
    Ehe meines Vaters.


    Nach ca. 62 Jahren ein Kontakt!


    Das musste erst einmal verdauen.

    Es ergab sich ein längeres Telefonat, sympatisch mit vielem Input. Eine Kerninfo:
    Mein 1/2 Bruder ist im Alter von 37 Jahren bereits verstorben. Das muss so Anfang
    der 80ziger gewesen sein.

    In den folgenden Tagen erfolgten weitere What App, nach dem meine 1/2 Schwester
    von ihrer Tochter immer über weitere Details informiert wurde.

    Ja, ich bekam die Telefon Nummer mit der bitte, sie doch dann mal an zu rufen.

    Es sei ja sehr privat und doch fremd, was mit
    vielen ggf. intensiven Gefühlen verbunden sei. Das möchte ich nicht so am Telefon
    nicht, sagte ich. Von mir erfolgte ein Gegenvorschlag.

    "Wenn gewünscht, komme ich persl. nach Bad Salzschlirf und wir setzen uns zusammen!

    Es wurde nicht lange lamentiert, sondern gleich ein Termin in wenigen Tagen vereinbart.

    Ich machte mir Gedanken, Gedanken zu der ganzen Situation, zu all den bisher
    unbeantworteten Fragen über diese Jahrzehnte. Über: Wen und was werde ich
    gegen über stehen. Und und und .......
    Daraus erfolgte auch, mich nicht jetzt schon fest zu legen, ob am gleichen Tag ich wieder
    heimfahre oder doch übernachte. Ich lies alles offen, musste versuchen, selber offen für
    alles zu bleiben.

    Viel wusste ich nicht, über das Leben meines bereits 1977 verstorbenen Vaters.
    Gar nichts, was vor meiner Geburt 1953 war.
    Hier wurde fast alles tot geschwiegen, wie es in der Nachkriegszeit üblich war.
    Von meiner mutter erhielt ich keine weitere Info. Lag auch daran, ich war noch zu jung
    um dbzgl. entsprechende Fragen zu haben, wie zu stellen.

    Mit leeren Händen wollte ich nicht kommen. Daher fragte ich nach einem Wunsch,
    ev. spezielles aus Bayern. Denn ich fuhr ja nach Hessen. Erhielt auch Antwort.

    Ich traf die verschiedensten Vorbereitungen. Checkte meinen alten Opel Monza 3.0 E,
    denn es könnten auch fast 1.000 km an einem Tag werden, die die 2 Alten ggf. schaffen
    müssen.
    Ging einkaufen, um die Wünsche erfüllen zu können. Bestellte ganz frisches, welches
    ich am Tag der und vor der Abfahrt noch abholte.

    So kaufte ich am Vortag ganz frische Weisswürste von der angesagten Metzgerei Holmburger
    in Miesbach:

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    Dazu den "echten" bayrischen Süssen Senf aus dem Familien Unternehmen Baumann,
    aus Rosenheim.

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    So fuhr ich am Donnerstag, in der Früh los. Nicht vorher die bestellten ganz ganz frischen
    Brezen der Bäckerei Michael Huber in Rosenheim zu holen. ein Familienbetrieb seit 101 Jahren.

    Bewusst ein gekauft. Qualität vor Quantität und Preis. KEINE billige Discounter Erzeugnisse
    in Plastik verpackte Industrie Ware.


    Ready for take off, to drive on the Road.

    Der Km-Stand bei antritt der Fahrt:

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    Das Navi zur Unterstützung:

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    Kühles Schauerwetter liessen mich verhalten fahren und nach ca. 4,5 Std. war ich
    nach 462 km in Bad Salzschlirf:

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    Mit dem durst, den der alte Opel Monza 3.0 E hatte, war ich vollenst zufrieden:

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    Neben dem Schmutz durch den Regen, die Abgasanlage zeigte mir ein gutes Bild
    von einem gesunden Herz:

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    Christine und ihr Mann Volker empfingen mich sehr herzlich.

    Wir näherten uns an. Tranken einen Espresso.
    Christine traf die Vorbereitungen zu der Bayrischen Brotzeit. Rief ihre Mutter an,
    die wenige Häuser entfernt wohnt, das sie kommen sollte.

    Ja, dann stand nach ca. 62 Jahren erstmals meine 1/2 Schwester Ingeborg vor mir,
    ich vor ihr.

    Nichts von etwas Fremden lag in der Luft. Dennoch berührende Momente.

    wir setzten uns hin, zur Brotzeit.
    Das sehr sehr private Gespräch nahm so seinen Lauf. Über Stunden unterhielten wir,
    meine 1/2 Schwester und ich uns. Christine und Volker gingen zwischenzeitlich mal mit
    den Hunden raus. So hatten wir beide Gelegenheit nur für uns.

    Bei ihrer Rückkehr kam die Nachbarin mit selber gemachten Kuchen und selber geschlagener
    Sahne zum Kaffee trinken.

    Zur fortgeschrittenen Zeit, die Frage danach, ob ich übernachte oder nicht.
    Ich habe mich für eine Übernachtung entschieden. Christine reservierte im Ort ein
    Hotelzimmer. In das zog ich mich zurück und lies mich um 20.00 Uhr abholen.
    Es ging gemeinsam zum Abendessen zum Italiener.

    Davor machte ich noch ein paar Bilder.

    Das Hotel:

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    Gegenüber das Sanatorium:

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    Nach weiteren 4 Stunden Gemeinsamkeit, verabschiedeten wir uns gegen Mitternacht.

    Ich hatte eine kurze Nacht. Schlechtes einschlafen, kurze oberflächige Schlafphasen
    mit vielen vielen Gedanken.

    7.30 Uhr zum Frühstücken und dann wieder auf die Bahn, nach Hause.

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    Auf der Hinfahrt entdeckt mit dem, auf der Rückfahrt dort anzuhalten. Ca. 8 km von
    Bad Salzschlirf. Lag günstig, gleich mit dem Tanken verbunden.

    Aufmerksame Userfreunde werden sich erinnern, für die Anderen:
    Der Fokus liegt hier auf dem Wort: "ASPE!"
    ASPE ist der Nachbarort von Hondon de las Nieves, in Süd Spanien.
    Dort verbrachte ich Monate bei Reiner.

    Jetzt hier:

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    Tank voll, nun los. Es ist Freitag und ich möchte vor Mittag um München herum sein.
    Dem WE-Verkehr ab mittag zuvor kommen.
    Daraus ergab sich ein flottere Fahrweise. Den Opel Monza 3.0 E laufen lassen.
    Dort wo die AB frei ist und das Wetter mit spielt. Der Opel Monza 3.0 E eignet
    sich bestens für solch einen sehr zügige Fahrweise.

    Würzburg passiert, Nürnberg und nun auf der A9 Richtung München.

    Was ist dort :?: Der hält sehr penibel die vorgeschriebene Geschwindigkeit um
    Nürnberg ein. So war es für mich nicht schwer, mit erhöhter Geschwindigkeit,
    diese jedoch immer noch im Toleranzbereich ihn einzuholen.

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    Ein Porsche 911 GT3 RS mit Niederländischem Kennzeichen.

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    Kein Problem, an ihm vorbei zu rollen, dabei grüsste ich ihn. ;)

    Dann hielt er sich brav hinter mir.

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    Jedoch nur so lange, wie die Geschwindigkeitsbegrenzung
    war. Danach gab er gas:

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    WOW, es dauerte nicht lange, ein weiterer:

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    Nach kurzer Zeit trafen sie auf einander und mischten gemeinsam auf. :D


    Dann, wieder etwas Weisses im Rückspiegel:

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    Ein: "Normaler" 911 er Cabrio:

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    Griff nicht ins Geschehen ein. Im Gegenteil. Nach Greding, den Kieniger Berg rauf,
    schlupfte ich diesen Porsche mit meinem Oldie. Ja, eine hübsche, dennoch eine Frau
    hinter dem Lenkrad. Als das Fahren anspruchsvoller wurde, lies sie nach.


    Dann das hier, kurz vor Ingolstadt:

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    Ein AUDI Q ??? im Teiltrananzug mit Blaulicht auf dem Dach.

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    An den ich auch vorbei kam, als die Geschwindigkeit begrenzt war.

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    Nach aufhebung dieser zog er davon:

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    Wie gepant und erhofft, konnte ich München vor 12.00 Uhr hinter mir lassen.

    War wenig später zu Hause.

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    Km-Stand am Ende der Kurzreise:

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    Der Verbrauch erhöhte sich "leicht" um 0,3 ltr. durch die flottere Gangart,
    der Rückreise und bezieht sich auf die gesamten 964 km:

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    Das Navi gibt mir noch ein paar Parameter.

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    So auch V-Max. Am Ende des Irschenberges gab ich mal Gas, bis ich die nächste
    Ausfahrt nach Hause nehmen musste.
    Echte 205 km/H, OHNE ihn voll aus genutzt habe.

    964 km in weniger als 9 Stunden zeigt, gut durch gekommen, flotte Fahrt gehabt. ;)


    Das Endergebnis der Kampfspuren von 964 km:

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    Am nächsten Morgen, den Ölstand geprüft.
    Am Ölmessstab ein Verbrach von max. 3 mm, eher 2 mm zu erkennen.
    Das auf 1.000 km.

    Alles gut. :D


    Eine ungewöhnliche Dokumentation, einer Kurzreise von knapp 1.000 km in ca. 28,5
    Stunden. Gefüllt mit sehr sehr gebündelten privaten Inhalt.
    :k Drivers Gruss Bild


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Mittwoch, 02. Dezember 2020, 22:45:36


  • Hall Klaus,

    das freut mich für dich, dass du nach so langer Zeit einen verschollenen Familienkontakt gefunden hast! Klingt wie in der Fernsehsendung "Vermisst"
    Stelle mir das auch seltsam vor, nach so langer Zeit plötzlich eine Halbschwester zu haben. Eigentlch ist man sich ja wildfremd...

    Wie kam dein Monza bei der neuen Verwandschaft an?
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Donnerstag, 03. Dezember 2020, 06:45:09


  • Ja, Ähnlichkeit mit "vermisst" hat es.
    Solche Gedanken gingen mir mehrmals durch den Kopf.
    auch vorher schon, da ich ja von der Existenz ihrer wusste.
    Eben, NUR das. Nicht mehr.


    Youngtimer hat geschrieben:Wie kam dein Monza bei der neuen Verwandschaft an?



    Ganz ehrlich gesagt:
    Relativ gleichgültig.

    Ist so zu akzeptieren, wie vieles Andere in solch einer Situation auch.
    :k Drivers Gruss Bild


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